Ein Jahr Donald Trump 2.0 – Chaos mit System
Shownotes
Ein Jahr ist Donald Trump 2.0 im Amt – und kaum ein Präsident hat in so kurzer Zeit so viel politische Unruhe erzeugt. Mehr Executive Orders als in seiner gesamten ersten Amtszeit, offene Drohungen gegen Iran, Grönland, Kuba und Kolumbien, neue Zölle als Machtinstrument. In dieser Folge von THE WILD HOUSE zieht Angela van Brakel eine Zwischenbilanz nach 365 Tagen Trump zurück im Weißen Haus.
Annett Meiritz, die Donald Trump seit über zehn Jahren – über beide Amtszeiten hinweg – journalistisch begleitet, erklärt, warum seine zweite Amtszeit kein Chaos mehr ist, sondern „Chaos mit System“: maximale Störung, permanente Aufmerksamkeit, gezielte Spaltung. Die Folge blickt hinter die Kulissen einer Präsidentschaft, die weniger auf Prozesse als auf maximale Wirkung setzt: überraschende Auftritte, politische Entscheidungen ohne schriftliche Unterlagen, Zahlen auf Plakaten statt Pressebriefings.
Im Zentrum steht Trumps bevorzugtes Machtinstrument: Zölle. Was früher wirtschaftliches Druckmittel war, wird nun zum politischen Hebel gegen Verbündete. Die Episode zeigt, warum diese Strategie ein völlig anderes Kaliber hat als in Trumps erster Amtszeit – und weshalb sie Europa und Deutschland besonders trifft.
Annett Meiritz erklärt, warum Trumps zweite Amtszeit kein Chaos mehr ist, sondern „Chaos mit System“: maximale Störung, permanente Aufmerksamkeit, gezielte Spaltung. Politik wird zur Inszenierung, Loyalität zur wichtigsten Währung. Kritik verzeiht Trump – Illoyalität nie.
Die Folge spricht auch über Angst als politischen Faktor: Angst in den Institutionen, Angst bei Handelspartnern, Angst in der amerikanischen Gesellschaft. Viele Menschen fühlen sich müde, überfordert, ziehen sich aus politischen Debatten zurück. Genau das, so die Analyse, ist Teil der Strategie.
Ein weiterer Schwerpunkt: Außenpolitik ohne Tabus. Militärische Drohungen, Expansionsideen, wirtschaftlicher Druck statt klassischer Diplomatie. Die Episode erklärt, warum ein offener Angriff nicht das einzige Risiko ist – und wie Staaten auch ohne Truppen dauerhaft abhängig gemacht werden können.
Zum Abschluss richtet die Folge den Blick nach vorn: auf die Midterm-Wahlen, auf wirtschaftliche Risiken, auf steigende Preise – und auf die zentrale Frage, ob Donald Trump 2.0 berechenbarer oder gefährlicher ist als je zuvor. Die Antwort ist unbequem: beides.
Eine Folge über Macht, Angst, Inszenierung – und über einen Präsidenten, den derzeit niemand stoppt.
THE WILD HOUSE – Das neue Amerika verstehen.
Ein ALL EARS ON YOU Original Podcast.
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00:00:01: Ich meine, da kann die deutsche Bundesregierung jetzt hundertmal sagen, die USA sind unser wichtigster Partner.
00:00:05: Also, ich sehe das nicht mehr so.
00:00:09: Vielleicht hat mich dann doch auf Trumpseite überrascht, mit welchem rasanten Tempo und auch dann doch mit welcher Radikalität er alles, fast alles von dem, was er dann angedroht hat, tatsächlich durchzieht im ersten Jahr.
00:00:21: Diese Zölle jetzt, das muss man wirklich ganz klar unterscheiden, auch von denen der ersten Amtzeit, ist ein vollkommen anderes Kaliber.
00:00:27: Wir reden hier nicht mehr von einer wirtschaftlichen Steuerung oder einem Ausgleich von Export-Importen, was er damit bezwecken will, sondern das ist, das muss man so sagen, das ist einfach Erpressungsstadt-Diplomatie.
00:00:42: Also wir, das kann ich nur noch mal unterscheiden, wir sind am Verwundbarsten.
00:00:47: Selbst wenn die größte Enthüllung jetzt über Donald Trump rauskommen würde, würde es eigentlich noch was ändern.
00:00:54: wäre die Welt noch geschockt.
00:00:59: Der Sheriff ist zurück im Weißen
00:01:02: Haus.
00:01:03: Donald Trump,
00:01:04: zwei Punkt Null.
00:01:05: Mehr America First, mehr Konfrontation, eine ideologische Zeitenwende.
00:01:14: Journalisten Angela
00:01:15: von Brackel, analysierten Macht, Mythen und Politik im neuen Amerika.
00:01:21: Und
00:01:21: sie erklärt,
00:01:22: was dieser Kurs für
00:01:23: Europa und Deutschland bedeutet.
00:01:29: Das neue Amerika verstehen.
00:01:32: Herzlich willkommen.
00:01:32: Diese Folge erscheint am zwanzigsten Januar, auf den Tag genau ein Jahr nach dem Amtsantritt von Donald Trump.
00:01:41: Dieser Präsident hat in zwölf Monaten bereits mehr Executive Orders, also mehr Dekrete, unterschrieben als in seiner gesamten ersten Amtszeit.
00:01:49: Donald Trump erschüttert die Weltordnung.
00:01:51: Zuletzt mit Angriffen und Drohungen Richtung Iran, Grünland, Kuba und Kolumbien.
00:01:55: Er inszeniert sich als Macher, als Cowboy-Präsident, der Probleme in Duell löst.
00:02:00: Schnell entscheidet und sein Recht durchsetzt.
00:02:02: Seine Mitarbeiter sagen, er will nicht nur bei jedem Thema gewinnen, er will mindestens genauso sehr, dass sich alle dabei unterhalten fühlen.
00:02:09: Kritik vergisst er oft schnell.
00:02:11: Illoialität nie.
00:02:12: Und auch im weißen Haus ist vieles anders als früher.
00:02:16: Kulinarisch nicht unbedingt präsidial.
00:02:18: Donald Trump liebt Burger, Pizza ohne Rand, sein Steak, well done.
00:02:22: Mit viel Ketchup.
00:02:23: Und ja, es gibt ihn wirklich.
00:02:25: Den legendären roten Knopf an seinem Schreibtisch.
00:02:27: Für seine Diet Coke.
00:02:29: In dieser Folge schauen wir darauf, was Donald Trump nach dreihundert fünfundsechzig Tagen politisch tatsächlich erreicht hat.
00:02:36: Und was Versprechen geblieben ist.
00:02:37: Was prägt seine Amtszeit wirklich?
00:02:40: Und was passiert dabei hinter den Kulissen?
00:02:42: Jetzt verhängt der US-Präsident wieder Zölle.
00:02:44: Und es trifft auch Deutschland.
00:02:46: Zahlen müssen alle in Europa, die gegen seine Grünlandpolitik sind.
00:02:50: Zölle ist ja eh sein Lieblingswort, sagt er.
00:02:52: Das letzte Mal hat er überraschen die Zollkeule im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April, im April.
00:03:11: Nicht zum Nachlesen, sondern wirklich nur die Prozentzahlen auf der Tafel, die er diese Moment in der Hand hält.
00:03:17: Wir sprechen auch darüber, wie dieser Präsident arbeitet.
00:03:20: Was macht er morgens als erstes?
00:03:22: Wann heißt es Deal und war no Deal?
00:03:24: Wie entscheidet er das?
00:03:26: Und worauf stützt er sich dabei?
00:03:27: Das möchte ich einordnen.
00:03:29: mit einer Journalistin, die Donald Trump seit fast einem Jahrzehnt genau beobachtet.
00:03:33: Als Präsident, als Ex-Präsident.
00:03:36: Und jetzt nach seinem Comeback.
00:03:37: Sie ist bestens vernetzt, immer nah dran und sagt selbst, sie sei nach acht Jahren zur Trump-Verstärin geworden.
00:03:44: Sie ist internationale Korrespondentin für das Handelsblatt.
00:03:47: Ich begrüße Anette Meiritz.
00:03:48: Ganz herzlich willkommen bei The White House.
00:03:50: Danke, dass ich bei dir sein kann.
00:03:53: Anette, nach einem Jahr Donald Trump, zwei Punkt Null.
00:03:55: Was hat dich persönlich am meisten überrascht, politisch oder menschlich?
00:03:59: Also politisch hat mich erst mal tatsächlich auf europäischer Seite der Zusammenhalt überrascht.
00:04:05: Das ist ja nicht immer selbstverständlich.
00:04:06: Ich meine, wir hatten ein Brexit, wir haben ungar was immer mit einem Austritt droht.
00:04:10: Und dass man in diesem einen Jahr zumindest versucht hat, zusammenzustehen.
00:04:15: Auf Donald Trump's Seite muss man sagen, hat mich gar nicht so viel überrascht.
00:04:19: Wenn man mal zurückguckt auf den Wahlkampf.
00:04:22: hat er sehr vieles von dem, was er jetzt umsetzt.
00:04:25: Also der harte Kurs gegen illegale Migration, auch die Strafzölle.
00:04:29: Sogar Venezuela und sogar Grünland hat er angekündigt.
00:04:32: Das Problem ist, dass wir, ich sag jetzt bewusst, wir Mediengesellschaft beobachter Politiker das nicht so richtig ernst genommen haben.
00:04:41: Vielleicht hat mich dann doch auf Trumpseite überrascht, mit welchem rasanten Tempo und auch dann doch mit welcher Radikalität er.
00:04:48: fast alles von dem, was er dann angedroht hat, tatsächlich durchzieht im ersten Jahr.
00:04:52: Weil es hätte man ja auch ein bisschen staffeln können.
00:04:54: Aber gibt es vielleicht etwas von dem, du dachtest, das traut er sich nicht noch mal?
00:04:58: Und hat es dann doch gemacht?
00:04:59: Also ich glaube, dieses teilweise klare Lügen des weißen Hauses, ich sag das ganz bewusst nicht bei allen sachpolitischen Dingen, ja?
00:05:06: Also es ist nicht so, dass das weiße Haus jetzt vierundzwanzig Stunden am Tag lügt.
00:05:10: Aber wir sehen natürlich schon, auch gerade nach dem Fall Minneapolis, als die Frau erschossen wurde, Die erste Reaktion ist halt sofort alles von sich weisen und sofort irgendwie in diese Propagandamaschine reinzugehen.
00:05:24: Und nicht, dass mich das bei Donald Trump sonderlich überrascht hätte, aber mich hat überrascht, wie schnell die Medien mitmachen, wie schnell das Narrativ verfängt, wie schnell auch die Meinungsumfragen von Trump-Anhängern auf sowas sofort rauf springen.
00:05:36: Also dieses, dass er im Prinzip wirklich mit allem durchkommt.
00:05:39: Und das weiße Haus so eine geöltem Maschinerie ist, die sofort so was reinspringt und das das funktioniert sofort.
00:05:45: Das hat mich tatsächlich dann schon überrascht, weil wir haben natürlich eigentlich auch einen starken Widerstand dagegen, aber der geht total unter.
00:05:52: Mal schauen, ob er jetzt auch wieder mit den Zöllen durchkommt, eben im Streit um Grünland.
00:05:56: Da soll es jetzt erst mal zehn Prozent und ab Juni, fünfundzwanzig Prozent geben.
00:06:01: Und zwar an alle Gegner einer US-Annektion im Prinzip mit Blick auf Europa.
00:06:06: Wie schätzt du das ein?
00:06:07: Strafzölle
00:06:08: sind sein Lieblingsinstrument.
00:06:09: Ich hab schon seine erste Amtszeit beobachtet.
00:06:11: Damals waren Strafzölle was für Nerds.
00:06:13: Ich hab von Listen geträumt nachts, wo irgendwelche Klosspülung aus China drauf standen, die er mit Zöllen belegt hat.
00:06:21: Und damals fand man, ich muss das so sagen, weil die standen wirklich drauf.
00:06:25: Aber ich lach darüber, weil man damals dieses Instrument der Strafzölle, das war neu, das hat zwar die Welt schockiert, aber es war am Ende, alle haben sich damit arrangiert.
00:06:33: Und selbst Joe Biden hat Tali diese Zölle beibehalten.
00:06:35: Das heißt, das gehörte dann plötzlich zum neuen Welthandelssystem.
00:06:39: Diese Zölle jetzt, das muss man wirklich ganz klar unterscheiden, auch von denen der ersten Amtzeit, ist ein vollkommen anderes Kaliber.
00:06:45: Wir reden hier nicht mehr von einer wirtschaftlichen Steuerung oder einem Ausgleich von Exporten, Importen, was er damit bezwecken will, sondern das ist, das muss man so sagen, das ist einfach Erpressungsstaatdiplomatie.
00:06:59: Und auch wenn ich Donald Trumps Errungenschaften an anderer Stelle oft hervorhebe, ist das tatsächlich etwas, Er setzt Verbündete nicht nur unter Druck, sondern erstellt sie vor die Wahl.
00:07:09: Entweder eure Wirtschaft wird massiv leiden oder ihr tut genau das, was ich sage.
00:07:13: Und die Amerikaner vermischen an dieser Stelle, das darf man nicht vergessen, auch ganz viele Themen miteinander.
00:07:19: Also Meinungsfreiheit, Handel, Wirtschaft, Annexion von Grönland.
00:07:24: Also alles wird in einen Topf geschmissen und ihr unterwerft euch uns oder die Zölle kommen.
00:07:30: Und dieser Hebel ist schon
00:07:33: erschreckend.
00:07:34: Erschreckend auch für Deutschland, also was bedeutet dieser Schritt jetzt auch ganz konkret für uns?
00:07:38: Also erstmal bedeutet dieser Schritt, dass dieses im Wachsen bestehende Handelsabkommen, was man eigentlich mit den Amerikanern treffen wollte, auf EU-Ebene.
00:07:46: Wir erinnern uns lange Strafzollerinnen letztes Jahr, dann hat man sich irgendwie geeinigt, dann gab es den Handshake zwischen Ursula von der Leyen und...
00:07:53: Den besten Deal überhaupt in der Geschichte, jemals und überhaupt.
00:07:57: Genau.
00:07:57: Und das ist ja im Prinzip, wenn wir uns das jetzt angucken, ist das ja nicht dich.
00:08:01: Das ist ja jetzt vollkommen egal.
00:08:03: Denn wenn sich die andere Seite, in dem Fall die Amerikaner, bei der nächsten Gelegenheit auch noch bei einer so brisanten Gelegenheit wie Anektion eines Gebietes, NATO-Gebiet.
00:08:12: Sofort wieder zu Strafzahlen greift,
00:08:14: kann
00:08:14: man eigentlich jegliches Abkommen mit den Amerikanern vergessen.
00:08:17: Und für Deutschland bedeutet es, dass Deutschland im Prinzip an einer der verwundbarsten Stellen sitzt, weil wir einfach so eine starke Exportnation sind, weil wir auch diplomatisch Geheimdienst sicherheitsmäßig so abhängig sind von den USA.
00:08:32: Das hat man übrigens auch an der ersten Reaktion der Bundesregierung gemerkt, die im Prinzip nichts gesagt hat.
00:08:37: Also, da war ja nix drin.
00:08:38: Also, wir, das kann ich nur noch mal unterschreichen, wir sind am Verwundbarsten.
00:08:42: Ja, und Donald Trump hat Zölle ja jetzt nicht nur in der ersten Amtszeit, sondern eben auch schon in der zweiten Amtszeit als Hebel genutzt.
00:08:49: Er spielt ja gefühlt mit der Weltmonopoly, sieht Geopolitik so ein bisschen wie dieses weltberühmte Brettspiel und erfahrt dann so, wer hat Geld, wer hat die Macht, wer kann kaufen, wer kann bauen, gerade eben mit dem Blick auf die Zölle.
00:09:01: Ich hatte vorhin seine Überraschungsaktion mit der Tafel im Rosengarten angesprochen.
00:09:05: Das hast du ja auch live mit verfolgen.
00:09:07: Wenn er mit solchen überraschenden Auftritten arbeitet, ist das Chaos oder kalkulierte Verwirrung oder wie würdest du das nennen?
00:09:13: Das Interessante bei dieser zweiten Trump-Administration ist, dass wir eigentlich von
00:09:18: Chaos
00:09:18: kaum noch... Also das Wort Chaos habe ich selbst als Journalistin in der ersten Amtszeit sehr oft auch geschrieben, weil es war chaotisch.
00:09:24: Wir erinnern uns, es wurden alle zwei Tage Leute gefeuert über Twitter damals noch, die teilweise nichts von ihrer Entlassung wussten.
00:09:32: Er hat viele Dinge angedroht, die er dann nicht wahrgemacht hat.
00:09:35: Und man muss sagen, in seiner zweiten Administration, also in der zweiten Amtszeit jetzt, ist es deutlich stringenter.
00:09:43: Das ist kein Chaos.
00:09:44: Das ist ... Chaos mit System.
00:09:46: Also es sieht vielleicht chaotisch aus und es ist oft auch so ein bisschen stümmerhaft bei den Strafzüllen.
00:09:52: Er haut da einfach was per Truth Social raus, aber man weiß irgendwie gar nicht, also wogegengenau.
00:09:59: Also das große Fragezeichen ist immer sofort im Kopf, wenn er was raushaut.
00:10:04: Aber dahinter, wenn man sich das große Bild anguckt, maximale Disruption, Alle schreiben über ihn, alle rennen hinterher, alle wollen seine Gunst, die ganze Welt.
00:10:13: Dann Spaltung, also Spaltung der EU, die einzelnen Partner gegeneinander aufbringen.
00:10:18: Und natürlich auch jetzt, was relativ neu dazu gekommen ist, diese Expansionsgedanke.
00:10:23: Make America Great Again ist nicht mehr nur auf eigenem Territorium, sondern das ist der Griff nach der Welt.
00:10:30: Hat sich im Rückblick auch schon abgezeichnet, aber ich hab das lange für so eine Art Theorie gehalten, um ... Ja, keine Ahnung, um die Anhänger davon zu überzeugen, wie groß Donald Trump auf der Weltbühne ist, dass er damit ernst macht jetzt an mehreren Fronten.
00:10:46: Mit der Unterstützung von seinem Außenminister, mit der Unterstützung von J.D.
00:10:49: Vance.
00:10:49: Das ist natürlich schon ein ganz, ganz neues Level.
00:10:53: Das haben wir auch in der Sicherheitsstrategie nachlesen können.
00:10:56: Aber sag mal, wann sagt Donald Trump eigentlich Deal?
00:10:59: Und wann sagt er dann No Deal?
00:11:01: Gibt's dafür ein bestimmtes Muster?
00:11:02: Gibt's ein Trump-Code, der ihn irgendwie berechenbar macht?
00:11:07: Er sagt Deal, wenn er auf der Gewinnerseite steht.
00:11:10: Er sagt Deal, wenn er was davon hat.
00:11:11: Wir hatten das beim EU-Handelsstil.
00:11:14: Die wenigsten haben ja diese Details des EU-Handelsstils.
00:11:16: Das ist ja auch alles sehr sperrig und sehr trocken.
00:11:18: Aber die Quintessenz, dieser Handshake, Ursula von der Leyen, Donald Trump, war, dass die EU eigentlich nicht sonderlich gut weggekommen ist bei diesem Deal.
00:11:28: Also die Zölle waren deutlich höher, als man erhofft hat, die dann am Ende übrig blieben.
00:11:33: Und in dem Moment hat Donald Trump gesagt, Deal, Das Problem ist, dass eben dieser Win an der Stelle, wie wir jetzt sehen, absolut nicht gereicht hat, weil er den Druck einfach durch diesen neuen Zölle aufrecht erhält.
00:11:46: In anderer Frage, wenn es um Krieg und Frieden geht, er tritt ja in anderen Konflikten auch so als Peacemaker, Dealmaker auf.
00:11:53: Und immer dann, wenn es ihm einen kurzfristigen Gewinn auch vor seinen Anhängern bringt.
00:11:59: Also starke Bilder.
00:12:00: Donald Trump ist ja ein Fernsehmann und ist es bis heute ... sehr kluge Social Media Strategie.
00:12:06: Also immer dann, wenn er im Oval Office der starke Handshake, die Leute, die zu ihm pilgern, die Leute, die was von ihm wollen, das ist für ihn ein Win.
00:12:15: Und wenn es dann noch wie bei den Zölln, die zwar einerseits die amerikanischen Konsumenten belasten, aber andererseits auch echt viel Geld in die Staatskasse spüren, dann lässt er von diesem Instrument nicht locker wieder ein Win.
00:12:27: Instrumentstrategien, lass uns da noch mal ein bisschen mehr drauf schauen.
00:12:30: Die offensichtlichste nennt sich ja flooding the zone, eine Taktik der Informationsflut, eine bewusste Reizüberflutung.
00:12:36: Das Ganze zeigt sich an den verschiedenen Themen, über die wir die ganze Zeit berichten.
00:12:39: Also eben von Zöllen über Angriffe, Drohungen in alle Richtungen.
00:12:42: Aber die Methode zeigt sich eben auch online, bei diesen ganzen Posts, die ja manchmal raushaut im Minutentakt.
00:12:48: Wie hat sich denn auch hier die Intensität in den vergangenen acht Jahren verändert?
00:12:53: Also aus der Perspektive von einer Jurle, in die eben beide Trump-Administrations verfolgt hat.
00:13:01: Man muss sich bewusst machen, dass ... die großen Medienhäuser in den USA, auf die wir alle auch seit Jahrzehnten gucken und wo man irgendwie stolz ist, wenn man ein Praktikum erwischt oder so, dass selbst die, also ich spreche jetzt New York Times an Washington Post, die Washington Post ist in einer enorm wirtschaftlichen Krise, die New York Times Reporter haben mir damals, als ich noch in Washington vor ein paar Monaten gewohnt habe, gesagt, wir kommen selbst nicht hinterher.
00:13:25: Die sind so gut aufgestellt, die haben so gute Ressourcen, die sind jeden Tag mit einer Schaar an Menschen um das Weißer Haus haben die besten Zugänge und sie sagen, wir können vielleicht dreißig Prozent von dem abdecken, was die Administration da rauskübelt.
00:13:37: Das kann man ja nicht anders sagen.
00:13:39: Es gibt diesen mediales Level, dass ich persönlich inzwischen denke, selbst wenn die größte Enthüllung jetzt über Donald Trump rauskommen würde, dass man sich inzwischen doch die Frage stellen muss, würde es eigentlich noch was ändern.
00:13:52: Also, wäre die Welt noch geschockt, würden die Republikaner aufbegehren, würde halt Amerika auf die Straße gehen.
00:13:58: Ich weiß es nicht.
00:13:59: Es ist halt so viel inzwischen, dass, glaube ich, dieser Schockmoment schon ganz doll betäubt ist.
00:14:04: Und das andere Level davon ist eben diese gesellschaftliche Überforderung.
00:14:08: Wir sehen ja auch an den Trends, Medienforschung und so weiter, Menschen ziehen sich teilweise auch zurück und wollen das gar nicht mehr alles wissen.
00:14:14: Weil es schocking ist, weil es viel ist, weil es schwer zu erklären ist, weil es teilweise widersprüchlich ist.
00:14:21: Und das macht natürlich auch was mit uns als Gesellschaft, wenn die wichtigste Nation der Welt, die mächtigste Demokratie der Welt uns nur noch überfordert.
00:14:29: Absolut, ich habe auch Freunde in den USA, die wollen einfach gar nicht mehr über Politik sprechen.
00:14:34: Also das ist, wenn du nur sagst, dann sind die schon raus.
00:14:38: Ja, was will er eigentlich damit alles erreichen?
00:14:40: Er will natürlich irgendwie kritiker müde machen, die wiederum sagen, ja, das liegt alles an den Epstein-Akten, an den Dokumenten rund um den Sexualstraftäter, der ja versprochen hat zu veröffentlichen und das bis heute nicht getan hat.
00:14:50: Ist das?
00:14:51: Ein Thema, von dem du eben gesagt hast, das könnte noch mal eine Wendung oder noch mal ein Schocker sein.
00:14:56: Ich glaube manchmal, dass das mit den Epstein-Akten ein bisschen überschätzt wird, was die Verbindung zu Donald Trump angeht.
00:15:04: Also ich will damit nicht den Fall an sich... Das ist einer der schlimmsten Menschenhandel mit Minderjährigen über Jahrzehnte, auch von der Justiz verschont gelassen.
00:15:15: Dieses Netzwerk von Reichen und Mächtigen, alles furchtbar.
00:15:18: Und wir wissen auch, dass Donald Trump da tief mit drinsteckte.
00:15:21: Und ja, einiges von dem, was er tut und wie er öffentlich auftritt, wird.
00:15:25: damit zusammenhängen, dass er ablenken will davon.
00:15:28: Das weiße Haus ist, das weiß ich auch von Kontakten, das weiße Haus ist beunruhig darüber, dass da noch was rauskommt.
00:15:33: Das ist beunruhig darüber, was das bei den Anhängern langfristig macht.
00:15:37: Aber das große Aber an der Stelle ist, dass die Dinge, die Donald Trump uns zumutet, die Expansionspläne, die Strafzölle, der offener Hass teilweise gegenüber ... früheren Partnern, die offenen Attacken, der Umgang mit der Opposition, das Verteidigen von Mord in dem Fall in Minneapolis.
00:15:58: Das hat zum großen Teil auch was mit Überzeugung zu tun.
00:16:00: Der Mann ist in seiner zweiten Amtszeit und wird dieses Jahr
00:16:03: Achtzig.
00:16:04: Das ist sein Endgame.
00:16:06: Er ist der Präsident, er ist der mächtigste Mann.
00:16:07: Er wurde zweimal zum US-Präsident gewählt.
00:16:10: Was muss im Kopf so jemandes vorgehen?
00:16:12: Er kann alles tun.
00:16:14: Und deswegen tut er das.
00:16:15: Das ist die größte Motivation.
00:16:16: Und der zweite Grund dafür ist, dass ihm im Moment auch niemand stoppt.
00:16:19: Die Republikaner haben beide Kammern im Kongress.
00:16:23: Der Kongress ist im Moment auch geschwächt, weil sich die Republikaner nicht geschlossen gegen ihn stellen.
00:16:29: Der Supreme Court könnte ihm noch einen Strich durch die Rechnung machen, durch einen Urteil zu den Zöllen.
00:16:34: Aber wer ist im Moment im Weg von Donald Trump?
00:16:38: Mir fällt niemand
00:16:38: ein.
00:16:39: Ja, also kann ihn tatsächlich keiner bremsen, auch nicht aus seinem Inner Circle.
00:16:42: Gibt es da jemanden, dessen Wort für ihn wirklich gewicht hat?
00:16:45: In der letzten Folge haben wir beispielsweise intensiv über den Tech-Unternehmer Peter Thiel und seinen Einfluss gesprochen.
00:16:50: Also gibt es da irgendjemanden?
00:16:52: Also diese Einflussgeber oder diese Einflusterer oder so, die sitzen da ja teilweise schon ziemlich stabil an seiner Seite.
00:16:59: Also da komme ich nochmal zurück auf das, was ich vorhin gesagt habe.
00:17:03: Wenn dem so wäre, dass das ständig alles wechselt, dann würden wir auch viel, viel mehr Entlassungen sehen von hochrangigen Ministern beispielsweise.
00:17:10: Was aber stattdessen passiert ist, dass der Minister, die ihr vielleicht nicht so toll findet oder beratet, dass er die eher in der Hierarchie ein bisschen kalt stellt.
00:17:18: Aber die Leute um ihn herum, wir sehen im Hintergrund diese Vielleicht auch Rivalität zwischen Rubio und Vance.
00:17:25: Aber am Ende arbeiten selbst die zusammen, wenn's drauf ankommt.
00:17:30: Also ziehen sie an einem Strang und stehen an der Seite von Donald Trump.
00:17:34: Die wollen nur beide der nächste Präsident werden, deswegen ist wahrscheinlich die ... Ja,
00:17:37: guter Grund, ne?
00:17:39: Absolut.
00:17:40: Auch diese Frage, die hab ich ja nun selbst formuliert, wer stoppt Donald Trump?
00:17:44: Wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass der Mann demokratisch ins Amt gekommen ist.
00:17:48: die amerikanischen Bürger, die ihn gewählt haben, ziemlich genau wussten, was da kommt.
00:17:52: Also es ist ja nicht so, dass das große Missverständnis oder der große Unfall ist, wie im Moment, auch wenn er sich in sehr, sehr vielen Dingen nicht nur am Rande der Legalität bewegt, sondern auch drüber, ist er Präsident geworden auf Grundlage einer demokratischen Wahl in den Vereinigten Staaten.
00:18:12: Deswegen ist die Frage, wer stoppt ihn immer so ein bisschen schwierig.
00:18:14: Er ist jetzt da, wo wo man ihn haben wollte.
00:18:18: Ja, dann schauen wir doch mal darauf, was er geschafft hat und was er nicht geschafft hat.
00:18:21: Er wollte den Ukrainekrieg innerhalb von vierundzwanzig Stunden beenden.
00:18:24: Das gehört sicherlich zu den Dingen, die er nicht geschafft hat.
00:18:26: Was ist aber ein großer Erfolg, was vielleicht bisher kein anderer Präsident geschafft hat?
00:18:31: Illegale Migration an der Südgrenze zu Mexiko ist etwas, was Joe Biden nicht hingekriegt hat.
00:18:37: Zwölf Millionen Grenzübertritte alleine in der Amtszeit von Joe Biden unter Donald Trump null.
00:18:44: Da kann man jetzt über die Wege und Mittel streiten.
00:18:46: Total, absolut.
00:18:47: Aber Fakt ist, wir hatten eine Krise an der Südgrenze.
00:18:50: Absolut, das haben wir auch im Wahlkampf.
00:18:53: Wenn ich zu den Staaten gereist bin, die dort angrenzen, haben wir auch nicht nur hardcore Republikaner gesagt, sondern auch Demokraten, Geschäftsinhaber, Konzernlänger, ganz normale Menschen.
00:19:03: Es gab eine Krise, und Donald Trump hat zumindest diese Krise erst mal gestoppt.
00:19:09: Ich finde, das muss man schon hervorheben.
00:19:12: was dort in den amerikanischen Großstädten passiert, ist ne Vorkommandrenummer.
00:19:15: Das würde ich niemals als Erfolg etikettieren, weil das einfach Menschenunwürdig und Menschenfeindliches, was da passiert.
00:19:23: Dann, ich finde, wenn wir uns die NATO angucken...
00:19:26: Da zahlen sie jetzt.
00:19:28: Ja, teilweise hat... Die Donald Trump am Zeit natürlich auch dazu geführt, dass sowohl die EU als auch die NATO sich mal darauf besinnen muss, wer sind wir eigentlich und was wollen wir sein, also auf europäischer Seite.
00:19:40: Und er dann natürlich schon, was die Erhöhung der Verteidigungsausgaben angeht und dieses Wissen, die Europäer können sich nicht ständig auf die Amerikaner verlassen, dass das aus meiner Sicht natürlich auch überfällig war.
00:19:52: Das ist natürlich etwas, da frage ich mich schon, warum braucht es eigentlich erst ein Donald Trump, bis wir das verstanden haben.
00:19:57: Und das finde ich schon auch eine Art Rumschaff, dass wir etwas stark überfälliges beginnen.
00:20:05: Eiche Verantwortung.
00:20:06: Genau.
00:20:06: Seine Mitarbeiter sagen ja über ihn, er könne Menschen schneller lesen als Akten.
00:20:10: Und was er wohl auch immer im Hintergrund macht, er testet die Spitzname für Konkurrenten oder Gegner erst mal intern, bevor er das dann öffentlich tut, um ebenso die Reaktion zu checken.
00:20:19: Also kommt das jetzt gut an, bin ich lustig.
00:20:22: Und sie sagen auch Donald Trump wollte nicht nur bei jedem Thema gewinnen, sondern eben auch entertainen.
00:20:27: Das hast du ja eben auch schon so ein bisschen angesprochen.
00:20:29: Wie sehr ist also Politik für ihn Bühne und wie gefährlich ist das?
00:20:33: Also, ich erinnere mich, nach der Wahl, nach der Kamala Harris verloren hatte, habe ich irgendwie auch als Art psychologische Verarbeitung dieses ganzen Wahlkampfs noch mal diese ganzen Bücher gelesen, die aufgearbeitet haben, was wir für ein ... dieses Skandal, das Joe Bidens Altersschwäche vertuscht wurde.
00:20:49: Das fand ich irgendwie eine ganz wichtige Frage, die schnell in den Hintergrund gerückt ist.
00:20:54: Was da in diesen Büchern auch ganz oft zum Vorschein kam, ist, warum ... Donald Trump so stark, wie er ist, also zum Beispiel vor diesem TV-Duell, wo Joe Biden total versagt hat, ist Donald Trump vier Stunden vorher im Studio aufgetaucht und hat sich das Setting angeguckt, hat geguckt, wie ist das Licht für ihn am besten?
00:21:12: Man hat mit den Leuten vor Ort gesprochen, hey, wie fühle ich mich hier?
00:21:15: Wie stehe ich auf der Bühne?
00:21:16: Wann ist Joe Biden angekommen, zehn Minuten, irgendwie, bevor die Maske losging?
00:21:21: Also, das sagt doch einfach alles.
00:21:23: Wir können irgendwie darüber lachen, dass Donald Trump irgendwie immer noch komische Haare hat und irgendwie immer zu gebräunt aussieht und so weiter.
00:21:32: Ich finde diese ganze Maschinerie, also diese PR-Maschinerie ums Weißerhaus extrem professionell.
00:21:38: Er hat sich sehr junge Leute ins Team geholt, teilweise auf Rat seines Sohnes Barron.
00:21:42: Barron Trump, selbst sein Sohn, red ihm mit irgendwie YouTubern und Podcastern aufzutreten.
00:21:48: Das ist alles nicht lächerlich.
00:21:50: Das ist überlebenswichtig für jemanden, der in einer Aufmerksamkeitsökonomie, die durch Social Media komplett verändert wurde in den letzten zehn Jahren.
00:21:58: Donald Trump hat das Game verstanden.
00:22:00: Also, ich finde das A. sehr smart.
00:22:04: Und B. ist natürlich Donald Trumps Lebenselexier.
00:22:07: Früher, also in der ersten Amtzeit, wir erinnern uns, haben wir immer darüber geschrieben, er guckt Fox News und hat den Fernseher in seinem Schlafzimmer oder drei Fernseher, ich weiß es nicht.
00:22:14: Jetzt ist das natürlich total anders.
00:22:16: Also, Social Media ist ja sein ... Das ist jetzt das Ding, ne?
00:22:20: Seine Plattform Truth Social nutzt ja generell Social Media in so einer Art und Weise, wie das vorher noch Nienpräsident getan hat.
00:22:26: Es gibt diese KI-generierten Fotos und Videos, Donald Trump als Papst und das wird dann gepostet selbst auf dem offiziellen Instagram-Account des Weißen Hauses.
00:22:36: Welches Bild oder Video hat in deiner Meinung nach so richtig gut gelungen?
00:22:40: Welches hat dich vielleicht am meisten geschockt oder auch zum Lachen gebracht?
00:22:44: Gab es nicht nach den Protesten der Opposition dieses Bild, dass da irgendwie Bomben oder das aus einem Flieger, was über die abgeworfen wurde?
00:22:55: Mir geht es da, das muss ich jetzt auch ganz ehrlich zugeben, auch wenn ich ein US-Politik-Junkie bin, ich klick das dann ganz oft auch weg.
00:23:03: Aber jetzt in letzter Zeit, also für mich, geben diese Bilder immer auch strategischen Einblick, zum Beispiel letzte Woche Grünland.
00:23:13: Unsere Bundesminister fliegen da alle hin, versuchen zu vermitteln.
00:23:16: Und kommen zurück, Glas klingweil, Johann Wadephul.
00:23:20: Ist das alles nicht so schlimm, die Amerikaner meinen das nicht so.
00:23:23: Und in der Sekunde, in der sie das sagen, postet das weiße Haus ein Donald Trump, der am Fenster das Oval Office steht und rausguckt und sagt, ich sehe Grönland da hinten.
00:23:34: Wo ich denke, okay, kann man einen größeren Splitscreen eigentlich haben?
00:23:39: Ich sag jetzt nicht, dass jedes Social-Media-Post sozusagen Die Wahrheit ist, was an Donald Trumps Kopf vorgeht, aber es ist doch ein ganz klares Signal.
00:23:45: Es ist doch der Mittelfinger.
00:23:46: Entschuldigung, dass ich das so sage.
00:23:48: Die Deutschen kommen, um zu vermitteln und das Weißerhaus postet so was.
00:23:51: Das ist
00:23:52: eine klare Botschaft.
00:23:56: Ich habe mich auch mal in DC umgehört, was dort die Menschen sagen nach einem Jahr, Donald Trump, hören wir mal rein.
00:24:05: Ich schätze alles, was Donald Trump für uns tut und bin auch für seine Einwanderungspolitik.
00:24:09: Ein Jahr später sieht es echt schlecht aus.
00:24:14: Mit seinem Gesetz, dem Big Beautiful Bill, die Krankenversicherung und generell Preise schießen nach oben für alle Amerikaner, egal ob sie Demokraten oder Republikaner sind.
00:24:22: Es sieht echt nicht gut aus.
00:24:24: Ich würde sagen Angst, weil du nie weißt, was als nächstes kommt.
00:24:29: Ich sage das auch.
00:24:30: Es gibt einfach zu viele Ungewissheiten.
00:24:34: Mit diesen Ungewissheiten, von denen das Ehepaar am Ende gesprochen hat, waren vor allem die Angriffe gemeint, also Nigeria, Venezuela.
00:24:41: Also lass uns noch mal auf die Außenpolitik schauen.
00:24:43: Er hat ja auch den Golf von Mexiko in Golf von Amerika umbenannt.
00:24:46: Das Pentagon ist jetzt das Kriegsministerium und er droht eben mit militärischen Maßnahmen gegen Iran, Grönland oder Lateinamerika.
00:24:53: Vor allem auch nach dem Angriff auf Venezuela.
00:24:55: Wie ernst muss man diese Drohung nehmen und wo endet Rhetorik?
00:24:59: Die muss man alle ernst nehmen.
00:25:01: Also, ich sag damit nicht, dass morgen die US-Truppen irgendwie in Grönland einmarschieren und Kuba und Kolumbien als Nächstes dran sind.
00:25:11: Ich glaube nach wie vor mit allen Experten, mit denen ich spreche, dass wenig Züela schon noch mal ein Sonderfall war, weil die Trump-Regierung einen großen Rückhalt dafür auch, also nicht für eine militärische Übernahme, aber die internationale Gemeinschaft hat ja das Maduro-Regime generell nicht anerkannt.
00:25:27: Es gab sozusagen eine
00:25:28: Art ...
00:25:28: Es gibt ein Konsens darüber, ein Regime wechselt in Venezuela nicht die schlechteste Option ist.
00:25:35: Es gibt keinen Konsens darüber, dass man das hätte so machen müssen, aber trotzdem gab es sozusagen
00:25:39: eine Art
00:25:40: Legitimation dafür, wenn man es so nennen möchte.
00:25:43: Das sehen wir jetzt auch gerade an der aktuellen Zoll-Anbogen gegen Grönland.
00:25:46: Da ist ja von militärischer Gewalt keine Rede mehr, sondern Donald Trump hat in seinem Social Post gesagt, es geht um einen Kauf, was Marco Rubio auch gesagt hat.
00:25:56: Dennoch, Donald Trump ist ja jemand, der alle Gesetze der Politik über Bord geworfen hat und ich ... Appelliere auch immer so ein bisschen daran, dass wir bei all diesen Diskussionen auch diese Gesetze und Abläufe, die wir im Kopf haben, was ist eine Einlektion?
00:26:09: und so weiter, auch über Bord werfen.
00:26:11: Man kann ein Land in seinen Griff bekommen.
00:26:15: auf sehr viel kompliziertere und subtilere Weise als ein Einmarsch.
00:26:19: Also im Fall von Grönland haben das die ThinkTanks in Washington in den letzten Wochen echt eindrucksvoll aufgezeichnet, dass beispielsweise die USA versuchen könnten, Lieferketten von Grönland unter Druck zu setzen und dort ein paar Medienunternehmer hinzuschicken, die sozusagen die Medien entsprechend lenken.
00:26:36: Und gleichzeitig könnten sie eben den Grönland dann Geld anbieten, damit sie entsprechend in einem Referendum abstimmen.
00:26:41: Also es gibt ganz viele Wege, Land von sich abhängig zu machen, ohne dass man es besetzt.
00:26:47: Wir sehen das ja auch von seitens China, was mit der Seidenstraße in allen möglichen Weltregionen Einfluss bekommt.
00:26:53: und warum sollten das die USA nicht tun.
00:26:56: Das tun sie ja auch an anderer Stelle schon.
00:26:57: Also was ich damit sagen will, wir müssen uns ein bisschen lösen von diesem.
00:27:01: Donald Trump schickt jetzt sofort seine Truppen los, aber die andere Variante, Länder durch enormen Druck.
00:27:07: unter seine Macht zu bekommen, ist nicht weniger schlimm oder ist nicht weniger dramatisch oder verschiebt das geopolitische Gleichgewicht nicht weniger.
00:27:15: Es ist nur vielleicht weniger sichtbar und die Aufmerksamkeit nimmt dann auch ab, was das ist?
00:27:19: das Gefährliche, dass Menschen dann nicht hingucken, Menschen gucken hin, wenn es einen Militärschlag gibt.
00:27:24: Aber wenn sich ein Land über lange Zeit oder vielleicht über, was weiß ich, drei Jahre verändert, interessieren sich Menschen dafür?
00:27:31: Ist es so?
00:27:33: Absolut, hast einen Punkt.
00:27:34: Und dann lass uns noch mal über Macht, Loyalität und Angst sprechen.
00:27:37: Vertraute sagen ja über ihn, Donald Trump verzeiht vieles, aber keine Illojalität.
00:27:42: Was glaubst du, wie sehr prägt dieses Klima die Arbeit im Weißen Haus?
00:27:46: Ja, ein Fall, den ich mir, also auch für die Hörerinnen hier, angucken würde, wäre Josh Hawley.
00:27:52: Ich weiß nicht, ob das vielen Menschen was sagt.
00:27:54: Das ist ein sehr überzeugter junger Republikaner, sehr religiös, der mit seiner Frau so ein Religions-Podcast hat, so ein Power-Couple von Washington.
00:28:02: Und der fängt jetzt gerade in dieser Grönlandfrage an, sich zum ersten Mal von Donald Trump zu distanzieren.
00:28:06: Und ich frage mich, ob wir quasi die nächsten Marjorie Taylor Greene ... sehen und was das eigentlich bedeutet oder ob das nur Taktik ist.
00:28:12: Die
00:28:13: ja eine der größten Supporterinnen war von Donald Trump und sich dann abgewendet hat.
00:28:16: Genau, also über solche Namen sollte man immer ganz klar beobachten.
00:28:21: Im Weißen Haus ist eine ganz klare Taktik, also Pressure, Pressure, Pressure, in dem Moment, in dem ein Kongressabgeordneter oder ein Senator sich gegen Donald Trump ausspricht, fängt Donald Trump ja sofort an, öffentlich über die Person herzuziehen.
00:28:34: Und dann gibt es aber noch ein viel viel mächtigeres Mittel.
00:28:37: Und zwar Geld.
00:28:39: Wir dürfen an der Stelle nicht vergessen, dass, äh, es ist echt bizarr, wenn man sich so überlegt, wir wissen, das komplizierte Spendensystem, politische Spendensystem in den USA, es gibt einen Spendenvehikel für Donald Trump, also Magaink heißt es, und das hat eine Rekordsumme eingenommen im ersten Trump-Amtsjahr, obwohl der Mann eigentlich nicht wieder gewählt werden kann.
00:29:01: Was heißt das jetzt, was sich kompliziert ausgedrückt hat, also das Geld fließt?
00:29:05: zu Donald Trump und seinen Zielen.
00:29:07: Wir werden bei den Midterms dieses Jahr eine Flut von MAGA, TV-Anzeigen, Social Media-Anzeigen, also der Mann und auch die Leute um ihn rum können vor Geld nicht mehr laufen.
00:29:20: Und in diesen Rennen, jetzt in den Midterms-Rennen, wird das Weiße Haus ganz gezielt versuchen über die RNC, also den Republikanischen Parteiberat, genau solche Kritiker.
00:29:29: mit Geld sozusagen zu ersticken.
00:29:31: Also mit Gegenkampagnen, mit Gegenkandidaten, mit Werbung vor Ort, die sie schlecht machen, mit Negative Campaigning.
00:29:39: Und das fängt jetzt schon an.
00:29:40: Dann wird sich im Weißen Haus ganz genau angeguckt, wer ist nicht auf Linie und wer könnte sein Sitz dieses Jahr bei den Mittwärms verlieren.
00:29:46: Und an Geld mangelt's da nicht.
00:29:48: Also sehr, sehr vermögen, sehr mächtig.
00:29:52: Ja, wenn du schon die Midterms ansprichst, die sind ja im November, also wenn wir auf die kommenden Monate schauen, wo siehst du denn den größten politischen Sprengstoff, innenpolitisch wie außenpolitisch?
00:30:01: Es nutzt sich immer so ab, aber natürlich ist es die Wirtschaft immer.
00:30:05: Sie ist es nicht nur... Die Präsidentschaftswahlen in den Jahr- und Zwanzig wurden auch nicht nur wegen inflationer Wirtschaft entschieden, bin ich von überzeugt.
00:30:13: Aber es ist natürlich, wir haben relativ gute Wirtschaftszahlen der Trump Administration im Moment.
00:30:18: Die große Rezession, über die alle geschrieben haben, die ist immer noch nicht eingetreten.
00:30:25: Und ich glaube, die tritt auch nicht so schnell ein.
00:30:26: Aber das Problem ist, dass die Menschen keine spürbare Verbesserungen fühlen.
00:30:32: Das Leben ist ... Unfassbar teuer in den USA nach wie vor.
00:30:35: Lebensmittel, Häuserkauf, Mieten, Auto, Reisen, alles.
00:30:40: Kinderbetreuung, gar nicht.
00:30:41: Ich hab zwei Kinder in den USA großgezogen.
00:30:45: Weiß wovor ich spreche, ist das einfach nur insane.
00:30:49: Und Donald Trump verspricht immer mal wieder Erleichterung, aber es ist einfach nicht da.
00:30:54: Und das zweite große Risiko ist aus meiner Sicht echt so einen Platz in der KI-Blase.
00:30:58: Also, dass wir irgendwie noch mal so eine Art Tech-Massenentlassung sehen, die dann auf andere ... Bereiche übergreift, also dass wir quasi noch mal irgendwo ein erdrutschartiges Ereignissehen, was irgendwie wieder bei den Jobs oder bei den Löhnen oder bei der Wirtschaftswachstumskraft dann noch mal so ein Einbruch bringt und das wird ihm natürlich gar nicht gut tun.
00:31:17: Meine letzte Frage, deine ganz persönliche Einschätzung.
00:31:19: Ist Donald Trump zwei Punkt Null berechenbarer als früher oder gefährlicher, weil er glaubt?
00:31:24: Ich glaube, du hattest es am Anfang so ein bisschen angedeutet, nichts mehr verlieren kann.
00:31:28: Das ist das Ding, es ist halt beides.
00:31:30: Er ist berechenbarer insofern, dass man alles, was er in den letzten acht Jahren gesagt hat, irgendwie noch mal rausholen muss und gucken muss, war das nur Rhetorik oder stimmt das?
00:31:39: Also alles, was er sagt und auch gesagt hat, muss im Prinzip in den Check, was ist eigentlich, wenn das eintritt?
00:31:46: Ob es das jetzt berechenbarer macht, es gibt zumindest eine berechenbare Strategie, wie man mit ihm umgeht.
00:31:51: So.
00:31:53: Gefährlicher?
00:31:54: Ja, natürlich.
00:31:55: Vor europäischer Partner.
00:31:57: Darf ich das Wort Partner eigentlich noch sagen?
00:31:59: Das ist doch die Frage.
00:32:00: Also, ich meine, da kann die deutsche Bundesregierung jetzt hundertmal sagen, die USA sind unser wichtigster Partner.
00:32:05: Also, ich sehe das nicht mehr so.
00:32:07: Eigentlich ist da die jetzige US-Regierung kein Partner mehr und das macht ihn natürlich speziell für europäische Interessen natürlich gefährlicher.
00:32:13: Sagt Annette Meyeritz.
00:32:14: Besten Dank für das Gespräch und die vielen Einordnungen.
00:32:16: Danke schön.
00:32:17: Danke für die tollen Fragen.
00:32:19: Das war Folge drei von The Wild House.
00:32:21: Die nächste gibt es kommenden Dienstag, also spätestens kommenden Dienstag.
00:32:24: Im Falle von Breaking News melde ich mich selbstverständlich früher zurück.
00:32:28: Abonniert den Podcast gerne, wenn er euch gefällt.
00:32:30: Über Wünsche, Anregung oder Kritik freue ich mich.
00:32:33: Schreibt mir einfach an podcastatangelafanbrackel.com.
00:32:36: Und noch ein großes Dankeschön an dieser Stelle an mein Team von All Is On You, genauer gesagt an Felix, Jenny und Philipp.
00:32:42: Journalisten Angela von Brackel, analysierten Macht, Mythen und Politik im neuen Amerika.
00:32:50: The Wild House.
00:32:51: Das neue Amerika verstehen.
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